
Denken wir an Wissenschaft, so denken wir an Reagenzgläser, Formeln, Diagramme und Kästchen, die alles umrahmen, in Boxen stecken und versuchen abzubilden. Doch es gibt Themen, die sind hochkomplex und lassen sich nur mit Mühe in simple Darstellun- gen packen und herunterbrechen. Dennoch sind sie nicht minder spannend und warten auf einen Weg erkundet und dargestellt zu werden.
Hier kommt Design ins Spiel, welches sich mit Wissenschaft verbindet und eine neue und hochaktuelle Schnittstelle bildet. Dieser Stimmungsatlas soll das Thema des studentischen Wohnens beleuchten. Doch nicht im klassischen Sinne mit Daten und Fakten über Wohnformen oder Berichten über Mietkosten. Er soll das abbilden, was zwischen eben diesen Zahlen verborgen bleibt. Dieser Atlas gibt Einblick in Raum als vielschichtiges Konzept, welches über die bloße physische Erscheinung hinausgeht und betrachtet diesen als multikomplexes System, in dem Überlagerungen, Tendenzen und Mehrdeutig- keiten stattfinden. Deshalb eignet sich das Medium Karte für die visuelle Aufbereitung dieses Themas. Karten haben die Kraft Elemente räumlich zu verorten und Gleichzeitig- keiten durch Layer abzubilden. Das Thema des studentischen Wohnens unterzieht sich hier einer Operationalisierung. Es wird aufgeteilt in seine vielen Bestandteile, angefangen bei einzelnen Dingen und Möbel, hin zu Räumen und Menschen, die dann überlagert werden von Stimmungen und Ausprägungen. Die granularen Elemente setzen sich neu zusammen und bilden ein neues Bild. Dabei werden sie in eine übergeordnete, topografi- sche Logik eingeordnet, verorten sich zwischen Nah- und Fernbereich und orientieren sich an sechs Polen. Sie folgen einer diagrammatischen Logik und werden ergänzt durch metaphorische Bezeichnungen, die Bereiche aufzeigen und neue Assoziationen wecken. So entsteht ein Spannungsfeld, welches sich mit Zeitlichkeit und Stimmung auseinandersetzt. Die Inhalte für den Stimmungsatlas wurden mit Hilfe qualitativer De- sign-Forschungsmethoden erhoben.
Durch Cultural Probes war es möglich, an tiefe Einblicke von zehn Studierenden zu ge- langen, die, egal ob in einer WG wohnend oder mit Partner:in, jeweils ihren ganz eigenen Bezug zu ihrer Wohnwelt haben. Ergänzt wurde die Methode der Cultural Probes durch Interviews, die sich ebenfalls in Form von Zitaten im Atlas wiederfinden. Karten bleiben offen und interpretativ. Dieser Stimmungsatlas soll zum Erkunden, Entdecken, Nachden- ken und neu Betrachten einladen.
Master’s Thesis Project 2025
Supervised by: Prof. Dr. Konstantin Haensch, Prof. Franziska Junge
